Juli-Sitzung im Stadtrat: Handlungsbedarf anerkannt, aber Klimanotstand auf
November vertagt – Klima muss nun auf die Stadtverwaltung warten….
Die Bamberger Linke Liste (BaLi) hatte die
Ausrufung des „Klimanotstands“ in Bamberg beantragt und eine
Resolution angeregt, mit der die Stadt Bamberg den Klimaschutz als dringliche
Aufgabe auch der Kommune anerkennt und sich zu einer erheblichen Verstärkung
der Bemühungen um Klimaschutz verpflichtet. Sie hat dazu auch eine Zahl von
konkreten Maßnahmen vorgeschlagen. Der Antrag kann hier
eingesehen werden.
Die Stadtverwaltung gab das Thema in die
Juli-Sitzung des Bamberger Stadtrats. Die Sitzungsvorlage für die Rätinnen und Räte wollte den Ausdruck eines
„Klimanotstands“ zwar nicht direkt in den Mund nehmen, stellt aber
unmissverständlich fest: „Fakt ist, die bisherigen Maßnahmen zur
Bekämpfung des Klimawandels sind nicht ausreichend … auch in Bamberg muss
noch konzentrierter an der Erreichung der Klimaziele gearbeitet werden … ein
neues Maßnahmenpaket muss über die bisherigen Anstrengungen und Vorschläge
deutlich hinausgehen“. Diese Botschaft aus unserem Antrag ist also
angekommen.
Augenscheinlich hat die Botschaft die
Stadtverwaltung auch aktiviert. Sie sagte zu, ein Maßnahmenpaket, ja gleich ein
ganzes „Aktionsprogramm zur Erreichung der Umwelt- und Klimaziele“
auszuarbeiten und dieses dem Umweltsenat Ende November vorzustellen. In
Stichworten nennt die Verwaltung Themenbereiche und Ansatzpunkte für ein
solches Aktionsprogramm. Darunter auch einige der Vorschläge unseres Antrags.
Ansonsten hat der Sitzungsvortrag und folglich auch die Diskussion die
einzelnen von uns vorgeschlagenen Maßnahmen einfach komplett ignoriert. Wir
sind sehr gespannt, wie das Aktionsprogramm dann aussieht.
Zu allem Überfluss sollte der Stadtrat
dann auch noch per Abstimmung bestätigen, dass unser Antrag „hiermit
geschäftsordnungsmäßig behandelt“ sei. Dies bedeutet, dass der Antrag als
erledigt gilt und für das weitere Vorgehen keine Rolle mehr spielt. So kann man
unbequeme Anträge auch entsorgen! Damit war Stadtrat Schwimmbeck allerdings
nicht einverstanden. Mit der Unterstützung weiterer Stadträte wurde dieser
Passus gestrichen und somit ist die Behandlung des Antrag ebenfalls in den
nächsten Umweltsenat weitergereicht.
Dem BaLi-Antrag stellte die
Stadtverwaltung einen Antrag gegenüber, mit dem der Stadtrat die Verwaltung mit
dem Erstellen des angesprochenen Aktionsprogramms beauftragt und in dem sich
die Stadt „zu dem Ziel bekennt, das Erreichen der Pariser Klimaziele auf
lokaler Ebene zu unterstützen“. Stadtrat Schwimmbeck monierte, wie
„lasch und kraftlos“ hier – im Gegensatz zu den Bekenntnissen in der
Sitzungsvorlage – die Ziele der Stadt Bamberg wieder formuliert werden. Sein
Antrag, diesen Satz durch die beiden entschiedenen Eingangssätze aus der
Resolution des BaLi-Antrags zu ersetzen, fand allerdings nur die Zustimmung der
GAL und somit keine Mehrheit. Der Satz mit der laschen
„Unterstützungs“ erklärung wurde dabei gestrichen – um diese blasse
Formulierung ist es wirklich nicht schade! Die Formulierung eines
„Klimanotstands“ wurde somit vertagt.
Abgestimmt wurde letztlich lediglich die
Beauftragung des „Aktionsprogramms“. Diese erhielt Zustimmung von
allen Stadträt*innen mit Ausnahme der Stadträtin Reinfelder von der BuB. Sie
erachtet CO2 als einen „gesunden“ Stoff
und ist überzeugt, dass der gegebene Klimawandel durch menschliches Zutun weder
erzeugt wurde noch beeinflusst werden kann. Wer soll dieser Auffassung
zustimmen?
Abschließende Bewertung: Der Antrag auf „Klimanotstand“ scheint effektiv Bewegung in die
Stadtverwaltung zu bringen. Die Mühlen der Verwaltung mahlen allerdings
langsam: erst in 4 Monaten, am 29.11.2019, werden wir sehen, was wirklich
daraus entsteht. Da ist trotz der Sommerpause auf eine schnellere und frühere
Behandlung zu drängen, z.B. in der Vollsitzung des 25. September oder des 23.
Oktober. Das Klima macht ja auch keine Pause!